An diesem kalten, aber sonnigen Februar-Tag beginnen wir mit dem “Tempel-hopping”. Zum Auftakt stärken wir uns mit einem kleinen Frühstück im Café des Busbahnhofes und informieren uns über die erforderlichen Busverbindungen. Bus fahren funktioniert in Japan nach dem Motto “Einstieg hinten - Ausstieg vorne mit Bezahlen beim Busfahrer”. Der Busfahrer ist hier noch eine Respektsperson, er hat eine Mütze auf, fährt in Uniform und trägt Handschuhe. Gleiches gilt übrigens auch für Taxifahrer.
Der Bus bringt uns ins nordöstliche Stadtgebiet. Dort steuern wir einen der bekanntesten Tempel Kyotos an, den Ginkaku-ji oder auch Silberner Pavillon genannt. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass das etwas unscheinbare, zweistöckige Hauptgebäude noch vor der Entdeckung Amerikas gebaut wurde. Im großzügigen Garten der Tempelanlage mit einem Koi-Karpfen-Teich in der Mitte sind sorgfältig ausgewählte Bäume und Steine angelegt. Auch hier wird regelmäßig gerecht, die Flächen zwischen den Bäumen sehen aus wie ein grüner, geschwungener Teppich. Kein Blatt oder Ast liegt herum.
Ein überaus freundlicher Rikschafahrer, der leider nicht mit uns ins Geschäft kommt, weist uns den Weg zum Philosophenweg und damit zu den nächsten Tempeln. Hier muss es entlang des Kanals mit vielen Kirschbäumen zur Zeit der Kirschblüte Sakura ab Anfang April phänomenal aussehen. Dann kommt der Eikan-do-Tempel, neben dem sich ein Kindergarten befindet. Da herrscht ein buntes Treiben, die Kinder haben Uniformen an und Mützen auf, teilweise sind die Buben in kurzen Hosen, mitten im Winter. Auch diese Tempelanlage ist sehr weitläufig angelegt, verfügt über einen Teich mit einem eigenen kleinen Tempelchen auf der Insel und mehreren Gebäuden, schön in den bewaldeten Hang integriert. Und mit einem interessanten Blick über die Stadt. Im Innern der Anlage beeindrucken die aufwändigen Holzkonstruktionen, auch der überdachten Wege sowie die Papier-Türen.

Der nächste Tempel ist Nanzen-ji mit seinem riesigen Sanmon Gate, wo wir einer kleinen Zeremonie beiwohnen. Ein Abstecher in den Hojo-Garten ist ganz schön. Ein herumstehendes Aquädukt will nicht so richtig hierher passen. Der Weg zurück in die Stadt führt am Zoo vorbei und nochmals an der Bibliothek mit Internet-Zugang.
Zum Abschluss dieses ereignisreichen Tages kehren wir in der zehnten Etage über dem Bahnhof ein. Das ist die “Suppen-Ebene”, wir entscheiden uns fürs Schlange stehen, müssen zunächst an einer Art Zigaretten-Automat unser Gericht auswählen und dann bezahlen. Sofort nachdem ein Sitzplatz frei wird, können wir uns dann setzen und eine köstliche Ramen-Suppe genießen. Der Knaller ist die zeremonielle Verabschiedung eines jeden Gastes: Die gesamte Belegschaft trällert den Dankesgruß samt Verabschiedung immer als rustikale Gesangseinlage aus voller Kehle. So viele Eindrücke wollen nun im Onsen auf dem Hoteldach verarbeitet werden.