Archiv der Kategorie ‘Kurokawa‘

AtW 89: Kurokawa - Onsen ohne Ende

Sonntag, den 5. Februar 2006

Heute findet die Krönung der Herausforderung beim Frühstück im Ryokan Okunoyu statt: Spiegelei mit Stäbchen essen! Aber auch dies lässt sich meistern.

Kurokawa: Spiegelei mit Stäbchen

Nach dieser feinen Stärkung starten wir mit unserem Onsen-Pass und einem kleinen Handtuch zum heutigen ”Onsen-hopping”.

Kurokawa: Onsen-Pass

Wir beginnen mit dem Yamamizuki Onsen, welches auch über ein Ryokan verfügt und als schönstes Onsen gilt. Ein Shuttle-Bus bringt uns und eine Gruppe männlicher Gäste in das etwas oberhalb des Orts gelegene Anwesen. Das gemischte Onsen ist fast ausschließlich von Männern belegt und lässt keine Wünsche offen. Es ist großzügig, direkt am Fluss Kurokawa gelegen und einzigartig in die Felslandschaft eingebettet. Wir genießen zwei Badegänge, wobei wir beim zweiten ganz alleine im Wasser sind und uns wie der Kaiser von Japan höchstpersönlich fühlen. Dazwischen stärken wir uns mit einer feinen Soba-Suppe.

Kurokawa: Im Yamamizuki-Onsen

Wieder zurück im Dorf gönnen wir uns in der feinen Bäckerei ein hausgemachtes süßes Gebäck und suchen das nächste Onsen auf. Dort im Eingangsbereich sehen wir wie an vielen Stellen des Ortes, dass eine Quelle als natürlicher Eierkocher verwendet wird. Überall stehen kleine Figuren, Tiere und Tempelchen wohlangeordnet in den kleinen Gärten. Zur Krönung dieses Tages steigen wir nochmals ins hauseigene Onsen und machen noch einen kleinen Spaziergang rund um diese schöne Ryokan-Anlage.

Der Badeort Kurokawa steht etwas im Schatten des viel touristischeren Beppu an der Ostküste Kyushus, nicht weit entfernt. Über Beppu und dessen Nachbarort Yufuin gibt es ein stimmungsvolles Promotion-Video:

AtW 88: Kurokawa - Ohayo gozaimasu!

Samstag, den 4. Februar 2006

Das Frühstück im Ryokan Okunoyu wird in einem Raum im Erdgeschoss eingenommen. Stilecht gehen wir im Yukata des Hauses nach unten und begrüßen die anderen Gäste mit dem ortsüblichen Gruß “Ohayou gozaimasu”. Am Nachbartisch zeugen leere Bierflaschen von speziellen Frühstückstraditionen. Wir hingegen sind mit rohen Eiern konfrontiert, die wir aber auf Nachfrage steamed erhalten. Die nächsten Herausforderungen sind Fisch, Reis, und Algen, was uns nicht einfach fällt.

Im Touristenbüro werden wir lachend begrüßt, wir “Langnasen” sind die Exoten im Ort. Die einzigen nicht-japanischen Touristen, und das während der ganzen drei Tage. Keine anderen Deutschen, Amerikaner, Briten oder Australier, wo gibt es das heute noch?
Nach einem Rundgang durch Kurokawa mit Entdeckung einer feinen Bäckerei klären wir mit unserer “persönlichen Betreuerin” im Touristenbüro den Transport zu unserem nächsten Reiseziel. Und wir erstehen einen Onsen-Pass, den wir bei den anderen Gästen schon gesehen haben. Eine kleine Holzscheibe, die man sich um den Hals hängt. Anderntags kann das “Onsen-hopping” losgehen, drei Onsen können mit dem Pass besucht werden. Dort gibt es jeweils einen Stempel. Heute reicht es nur noch zum Entspannen im hauseigenen Onsen. Dann Ausruhen mit einem feinen Asahi-Bier und Vorfreude auf die bekannte Abendzeremonie.

Kurokawa: “Onsen-hopping” mit Onsen-Pass

AtW 87: Überwältigendes Japan!

Freitag, den 3. Februar 2006

Am Flughafen Chubu in Nagoya buchen wir unseren Inlandsflug so um, dass wir direkt von hier auf die Südinsel Kyushu fliegen können. Der Transfer zum anderen Flughafen Nagoyas bleibt uns also erspart. War bei der japanischen Fluggesellschaft JAL überhaupt kein Problem. Mit einer fast leeren Maschine kommen wir nach ca. eineinhalb Stunden auf dem Kumamoto Airport an. Dort klappt es endlich, japanisches Geld aus dem Automaten zu ziehen. Mit zigtausend Yen in den Händen gönnen wir uns das erste Sandwich, und… Bier.

“Kurokawa -  a real treasure”. Schreibt der Lonely Planet-Reiseführer, den wir noch in Australien gekauft haben. Die Information über den Bustransfer dorthin sowie die Organisation der mehrstündigen Busfahrt quer über Kyushu in nordöstlicher Richtung sind perfekt. Wir werden beim Bushaltestellenaufseher angekündigt, dass wir nach Kurokawa ins Gebiet des größten aktiven Vulkans - Aso, fahren wollen. Der Aufseher wiederum verspricht, dies dem Busfahrer mitzuteilen, damit wir an der richtigen Stelle aussteigen. Selbst das Geld für die Busfahrt wird noch behände gewechselt, damit es in den Automaten passt. Und im Bus selber weist uns ein junges japanisches Pärchen auf die baldige Ankunft in Kurokawa hin.

“Welcome to Kurokawa Spa”, steht auf dem Ortsschild, immerhin auch in lateinischer Schrift. Ein verträumtes Örtchen am Lauf des gleichnamigen Flusses gelegen, der direkt aus dem großen Vulkangebiet im Hintergrund kommt. Aus jedem zweiten Haus steigt Dampf und Rauch auf. Diese Region mit ihren zahlreichen Thermalquellen und Naturbädern machte uns große Lust. Die Onsen genannten Bäder haben eine große Tradition und sind auch bei den jungen Japanern Kult. Vor dem eigentlichen Bad wäscht man sich ausgiebig und taucht dann nur mit einem kleinen Handtuch bedeckt in das heiße Onsen-Becken in der freien Natur. 

Kurokawa - Aso San

Das junge Pärchen aus dem Bus lotst uns zum Touristenbüro, wo wir uns bei der einzigen, gebrochen englisch sprechenden Angestellten über Unterkünfte informieren. Kurzerhand fährt sie uns zu einem Ryokan, das über dieses Wochenende noch freie Plätze hat. Es gehört zu den traditionellen Ryokans mit hauseigenem Onsen. Der Check-in ist noch nicht möglich, also bringt uns die freundliche Dame erst einmal zu einem Tofu-Restaurant. “Das ist ja wie beim Japaner”. Schuhe ausziehen und rund um einer Feuerstelle Platz nehmen. Auf dem Holztablett, das wir bekommen, stehen bestimmt zehn Schälchen mit allen möglichen Leckereien. Der Tofu wird im heißen Wasser vor unseren Augen frisch zubereitet. Welch tolle Einstimmung!

Im Ryokan Okunoyu erwartet uns ein wahrer Traum. Der Empfangsbereich wie aus dem Bilderbuch, eine kleine Sammlung antiker Teetässchen, Girlanden papierdünner orangefarbiger Lampionblügen, frischer Blumenschmuck und allerhand sonstiges nett drapiertes Geschirr hinter Glas macht es gemütlich. Das Gepäck wurde bereits in unser Zimmer im ersten Stock gebracht. Richtige Betten zur Rechten und die klassischen Tatami-Matten zur Linken, abgetrennt durch Schiebewände, die mit Papier bespannt sind. Ein winziger Tisch und zwei Stühle, besser gesagt Sitzschalen, sind mittig angeordnet, dahinter ein kleiner Bereich mit einem Ikebana-Blumengesteck und einer Kalligraphie. Schiebetüren auch zum Balkon mit direktem Blick auf den Fluss Kurokawa. Fein säuberlich zusammengelegt ein blauer und ein roter Yukata. Dazu ein Schulterüberwurf aus Wolle, speziell für die kalte Jahreszeit. Söckchen mit Antirutsch-Noppen und Abtrennung nur für die große Zehe. Und kleine rote Schläppchen, deren Maximalgröße eher einem Spanier passt als mir. Für die Toilette mit beheizter Klosett-Brille gibt es separate Schläppchen, sehr wichtig und noch überall in Japan aktuell.

Ryokan Okunoyu: Onsen

Der erste Weg geht sofort ins hauseigene Onsen. Im Yukata und mit einem speziellen kleinen Handtuch wandeln wir die Treppe hinunter in den Anbau. Dezent versteckt hinter roten und blauen Tüchern kommt der Eingang zum Vorschein, getrennt nach Männlein und Weiblein. Kaum ist die Schiebetüre wieder sanft verschlossen, weisen ausgezogene Schuhe darauf hin, dasselbe zu tun. Eventuell noch vorhandene Klamotten von Tagesgästen werden in einem Korb aufbewahrt, dann betritt man den nächsten Raum, in dem vor Dampf kaum etwas zu sehen ist. Schemenhaft ist eine Hand voll kleiner Bänkchen und Schüsseln erkennbar, davor in Hüfthöhe an der Wand jeweils Duscharmaturen und auf der Ablage überdimensionale Seife- und Shampoospender. Die Anordnung ist so, dass der vor dem Baden so wichtige Reinigungsprozess im Hocken erfolgen soll. Nebenan höre ich, wie eine Dame unter Gelächter vom Hocker plumpst. Nach der Reinigung geht es hinaus ins Freie, ins gemischte Becken. Beim Hinabsteigen ins Wasser wird das kleine Handtuch zusammengefaltet und auf den Kopf gelegt. Wahnsinn, wie auf Kalender-Fotos liege ich nun im Freien im heißen Wasser, schaue auf Bäume, den Bauch und eine kleine Höhle, in der sich noch ein Onsen verbirgt. Überall dampft es, herrliche Ruhe, Entspannung pur. Und ich habe nichts als ein kleines weißes Handtuch auf dem Kopf. Wie ein Japaner.

Wie verabredet, klopft es um halb sieben abends an unserer Tür. Die Abendzeremonie beginnt. Die Bedienstete schlüpft gekonnt aus den Hausschlappen und faltet sich grazil zu uns an den Tisch hinunter. Wir bekommen die ersten kleinen Schälchen mit Essen gereicht. Nach kurzer Zeit klopft es erneut und der nächste Gang wird serviert. Nach und nach stehen etwas zwanzig Gefäße unterschiedlicher Größe auf dem Tisch. Eines stilvoller zubereitet als das andere, sämtliche Schälchen haben unterschiedliche Form und Farbe. Miso-Suppe, Fisch, Muscheln und Algen, Tofu, Eierpudding, Pilze und Sprossen. Das Arrangement ist verführerisch aber unklar. Manche Speisen können wir entschlüsseln, andere wiederum lassen wir uns erklären. Hierfür wird extra der Junior-Chef gerufen. Sehr vieles ist eingelegt, süß-sauer, Fisch oder Gemüse und kalt. Über einem kleinen Stövchen lodert eine Suppe. Diese wunderbare, einzigartige Zeremonie erstreckt sich über einen Zeitraum von zwei Stunden.

 Ryokan Okunoyu: Abendzeremonie

Wow!!!

Dieses kurze Foto-Video vermittelt einen weiteren Eindruck von Kyushu aus der Sicht eines jungen japanischen Touristen.

AtW 86: Sydney - Seoul - Nagoya

Donnerstag, den 2. Februar 2006

Um 5:00 Uhr wird der heutige Reisetag eingeläutet. Die Sommer-Kleidung verstauen wir unten im Koffer, dafür wird die Winter-Kleidung prominenter platziert. Am Flughafen Kingsfordsmith von Sydney beginnt um 9:45 Uhr der drittlängste Flug unserer Reise mit einer Flugzeit von zehneinhalb Stunden in die Hauptstadt Südkoreas, Seoul. Während des Fluges, auf dem wir von der Asiana Airlines so verwöhnt werden wie bislang noch auf keinem Flug, müssen wir die Uhr um zwei Stunden zurück stellen.

Reiseführer Australien: “Australien, Osten und Zentrum” vom Reise know-how-Verlag. Sehr empfehlenswert, gerade für unsere Tourenplanung, den Südosten Australiens.

Pünktlich um 18:15 Uhr Ortszeit kommen wir in Seoul-Incheon an. Wurde 2005 immerhin zum “Flughafen des Jahres” gewählt. Hochmodern, chic und sauber. Für den Transit haben wir etwas Zeit und erfahren von unserem Bekannten per E-Mail, dass ein Hotel in Tokyo bereits für uns gebucht ist. Dann geht es weiter nach Japan. Wieder werden wir von der Asiana Airlines aufs Beste versorgt, insbesondere die süßen Schürzchen der Stewardessen haben es uns angetan.

Nach weiteren zwei Flugstunden landen wir im abendlichen Nagoya, der Flughafen Chubu ist ebenfalls nigelnagelneu. Allerdings ist es schon kurz nach 22:00 Uhr und der Flughafen wirkt wie ausgestorben, auf der Ankunfts-Ebene ist bereits alles dunkel. Das Vorhaben, noch heute abend den Transfer zum “alten” Flughafen zu bewerkstelligen, lassen wir fallen. Im nahen Centrair-Hotel sind die Angestellten sehr hilfsbereit und wir entscheiden uns, hier unser Haupt zu betten.

Wow! 5. Stock, Zimmer 500, die Schläppchen stehen auf der Türschwelle bereit, ebenso liegt der Yukata parat - eine leichte Kleidung aus Baumwolle, irgendwo zwischen Bademantel und Morgenrot - und das Zimmer ist geschmackvoll eingerichtet! Die spannende Frage “wie funktioniert die Toilette” löst sich durch ausführliche Erklärungen der Bedienelemente: full flush, half flush… und hinzu kommt noch eine beheizte Klosett-Brille!!!

Nagoya - Hotel 1            Nagoya - Hotel 2       

Karte Japan