AtW 94: Kyoto - Kiyomizudera, Maikas und Mushimegane
Frühstück im kleinen, netten Café Kotobuki, das erst Anfang des Jahres eröffnet wurde. In schönem Amiente nehme ich das A-Set mit “Würstel”. Wegen des sonnigen Wetters steuern wir den Maruyama-Park im Osten der Stadt an. Der kleine Park ist schnell durchquert und schon befinden wir uns auf einem Weg, der immer touristischer wird. Statuen und Tempel säumen die Strecke, an einer Kreuzung verhandelt ein Rikscha-Fahrer mit zwei Maikas. Das sind hübsch aufgetakelte Geisha-Auszubildende mit hochgestecktem Haar, weiß gepudertem Gesicht, blumig-bunten Kleidern, die hinten zusammengefaltet sind und bewegen sich auf hohen Holzschuhen, die Clogs ähnlich sind.
Die Menschenmenge wird immer dichter und die Laden-Gasse mit Souvenirs und Devotionalien immer enger und steiler. Sie führt geradewegs hinauf zum Kiyomizudera-Tempel, vom Treiben her eine Art Neuschwanstein von Japan. Der hölzerne Tempel liegt sehr schön an einem Berghang und ist alleine wegen der phänomenalen Aussicht mit Blick über Kyoto eine Attraktion. Vorausgesetzt, man findet Platz auf der berühmten Terrasse vor der Haupthalle, die von hunderten Holz-Pfeilern gestützt wird.
Zurück in der Stadt steuere ich ein Brillengeschäft an, da ich auf der Suche nach einer Lupe bin. Den Begriff Mushimegane habe ich schon auf einen Zettel geschrieben zum Vorzeigen. Nein, das hätten sie nicht, erklärt die junge Angestellte freundlich. Wir wollen uns wieder verabschieden, als sie mir anbietet, meine Brille zu putzen, selbstverständlich “free of charge”. Ja, warum nicht, schon bedeutet sie uns, wir sollen uns hinsetzen und bringt uns Tee. Wir plaudern über Deutschland, Japan, Gott und die Welt. Währenddessen wird meine Brille geputzt und nach kurzer Dauer Inspektion von unserer Gesprächspartnerin nochmals zurückgegeben, um die Bügel nachzuziehen. Nach geraumer Zeit erhalte ich die am besten geputzte und justierte Brille, die ich jemals auf der Nase hatte.
Hier ein Video rund um den Tempel Kiyomizudera von einer Gruppe “verrückter” Spanier, mit Fotos gewürzt:
Tags: Japan, Kiyomizudera, Weltreise